Fulltimejob Familienhund

Zwei Hunde sitzen im Kofferraum

Familienhunde sind immer mittendrin

Vom Leben im Trubel einer Familie

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Für unseren lebhaften Familienbetrieb suchen wir per sofort oder nach Vereinbarung

netter Familienhund (m/w), 100 - 200%

Wir sind eine Familie mit unberechenbarem Wachstumspotential. Für unser aufgestelltes, lebhaftes Team suchen wir einen belastbaren, anpassungsfähigen, souveränen und hochqualifizierten Allrounder. Du wirst voraussichtlich für immer bei uns leben und solltest auch bereit sein, mit uns den Wohnort zu wechseln.

Können wir dich schon bald unser nennen?

Das bringst du mit:

  • Alter: idealerweise bist du ein Welpe

  • du bist süss, siehst auch später gut aus und bist meist gesund und pflegeleicht

  • deine Umgangsformen gegenüber Menschen und Hunden sind stets tadellos

  • du lernst schnell und bist bereit, dich rasch in die verschiedenen Aufgabengebiete einzuarbeiten

  • du bist bewegungsfreudig, fröhlich, energiegeladen und aufgeschlossen: Joggen, Fahrradfahren, Schlitteln, Städtereisen, Kultur, Restaurantbesuch, Schwimmen, Camping, Wandern, mit ins Büro kommen, lange Autofahrten, SUP-Fahren im Sommer, Familienfeste, Ball-, Such-, Zerrspiele und allenfalls Hundesport: dies alles macht dir Freude und fällt dir leicht

  • du bist ein ruhiger und ausgeglichener Zeitgenosse und passt dich problemlos unserem Rhythmus und Lebensstil an

  • dein Bedürfnis nach Schlaf ist flexibel

  • fremde Menschen magst du, inbesondere fremden Kindern gegenüber bist du sehr aufgeschlossen und geduldig

  • du bist, wenn es darauf ankommt, wachsam und verteidigst unsere Familie

  • du bist absolut loyal und treu

  • es fällt dir leicht, dich auf verschiedene Bezugspersonen einzulassen

  • du bist verschmust, anhänglich und es ist dir wichtig, uns zu gefallen

  • du bist selbstständig und kannst gut alleine bleiben, auch an dir fremden Orten

  • du bist gerne immer und überall mit dabei und zeichnest dich durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus

  • deine Bedürfnisse auch mal zurückzustellen und deine Impulse zu kontrollieren macht dir nichts aus

  • du bist belastbar, bleibst ruhig in hektischen Zeiten und kannst dich emotional abgrenzen, wenn es bei uns mal hoch zu und her geht

  • du bist sehr feinfühlig und sofort zu Stelle, wenn es einem Familienmitglied nicht gut geht.

Was wir bieten:

  • falls möglich Grundausbildung und Training on the Job

  • Kost und Logis

  • Familienanschluss

  • flexible Arbeitszeit (in der Regel 24/7), Ferien nach unseren Vorgaben

  • Wir sind zwar keine Profis, aber wir werden dich von ganzem Herzen lieben und unser Bestes geben

  • Die Anstellung gilt in der Regel lebenslänglich und ist nur von unserer Seite kündbar

    Dürfen wir uns schon bald für dich entscheiden? Wir freuen uns sehr auf dich!

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Wer hier noch sein Pfötchen aufstreckt, muss Superman sein - und so viele Hunde sind es sogar!

Sehr viele Hunde schaffen so ein Pensum, sie sind gesund, friedlich-freundlich-lustig und kommen gut auch mit hohen Belastungen zurecht. Bei anderen aber reicht schon ein kleineres Mass an Stress, eine ungewohnte Umgebung, ein veränderter Tagesablauf, damit sie angespannt reagieren. Stresstoleranz ist bis zu einem gewissen Grad angeboren und hängt unter anderem auch von der Genetik und der Rasse ab, aber nicht nur.

Die meisten Beissvorfälle geschehen in der eigenen Familie. Kinder werden am häufigsten Opfer von Beissvorfällen, statistisch gesehen werden mehr mehr Jungs als Mädchen gebissen. Von einem Hund gebissen und verletzt zu werden kann für ein Kind ein traumatisches Erlebnis sein, unter Umständen mit lebenslangen physischen und psychischen Folgen. Aber auch am Hund geht ein Beissvorfall keineswegs spurlos vorbei. Wenn man weiss, wieviel es braucht, bis ein Hund ein eigenes Familienmitglied beisst, dann wird deutlich, wie gross die Not und der Stress für den betreffenden Hund schon lange gewesen sein muss. Für den Hund endet ein Beissvorfall in der eigenen Familie allermeistens mit der Abgabe oder Euthanasie, je nach Schweregrad der Verletzung.

Viele Unfälle können vermieden werden, wenn die Erwachsenen die Anzeichen von Stress beim Hund zuverlässig erkennen und entsprechend handeln. Stress vermindert die Reizschwelle und Toleranz gegenüber verschiedenen Umweltfaktoren, deshalb ist es so wichtig, dass du dies erkennst.

Erkennst du die Anzeichen von Stress bei deinem Hund?

Manche Symptome von Stress sind offensichtlich, andere sind schwieriger zu erkennen. Lerne das Ausdrucksverhalten deines Hundes kennen, beobachte genau und möglichst wertfrei. Bewertungen versperren den Blick auf eine neutrale Betrachtung des Verhaltens. Verwende keine Zuschreibungen wie “er tut nur blöd”, oder “er will mich immer ärgern”, “er ist stur/dominant/schwierig/frech”, sondern beschreibe genau, was du siehst und in welchem Kontext du das Verhalten erkennen kannst.

Stress beim Hund kann so aussehen - diese Aufzählung ist nicht abschliessend und du musst die Zeichen immer im gesamten Kontext betrachten:

  • Flaches, hektisches oder tiefes, kräftiges Hecheln. Ist der Hund gestresst, zieht er die Lippen zu einem breiten Grinsen zurück, wodurch auch unterhalb der Augen und auf der Stirn Falten entstehen.

  • Walauge, nach hinten gezogene Ohren. Die Ohren sind eng angelegt und nach hinten gezogen. Beim Auge ist das Weiss sichtbar.

  • Mangelnde Aufmerksamkeit oder Konzentration. Wenn dein Hund nicht mehr ansprechbar ist, ist er vielleicht von einem Eichhörnchen fasziniert. Er könnte aber auch so gestresst sein, dass ihn sein Gehirn gewissermassen zu einer Tunnelperspektive zwingt, die es ihm unmöglich macht, auf dich zu reagieren.

  • Schweisspfoten. Hunde schwitzen an den Pfoten, wenn sie nervös sind. Schwitzen heisst, dass der Körper Flüssigkeit abgeben muss.

  • Gähnen. Stressbedingtes Gähnen unterscheidet sich vom Gähnen aus Müdigkeit dadurch, dass es stärker ausgeprägt ist und der Hund das Kinn zur Brust zieht. Gähnen ist ein deutliches Stresszeichen.

  • Hyperaktivität. Ein gestresster Hund kann sehr aktiv erscheinen. Er sieht dabei kopflos, hektisch bis panisch aus und zeigt ein Verhalten, das für dich auch wie Herumblödeln oder gar Freude aussehen kann. So ein hyperaktives Verhalten hält kein Hund lange durch und er kippt in eine stressbedingte Passivität.

  • Häufiges Urinieren und Koten. Bislet dein Hund viel häufiger als normal, ist er entweder krank oder hat grossen Stress. Uriniert und kotet dein Hund in die Wohnung, dann ist er entweder noch nicht stubenrein oder er hat so grossen Stress, dass er auch ins Haus macht, wenn es nicht anders geht. Der Körper tendiert im Stress dazu, mehr Flüssigkeit abzugeben.

  • Erbrechen und Durchfall. Bei Stress spielt das ganze System verrückt und normalerweise reagiert als Erstes das Verdauungssystem.

  • Übermässige Körperpflege. Übermässiges Belecken der Pfoten, Flanken oder des Genitalbereichs kann ein Anzeichen von Stress sein. Es kann aber auch eine Verletzung oder eine Allergie dahinterstecken.

  • Übermässiges Schlafen. Alle Hunde schlafen viel und gerne, 16 - 20 Stunden gelten als normal und gesund. Wirkt dein Hund hingegen passiv, apathisch und will nur liegen und schlafen, musst du auch Stress im Auge behalten. Gestresste Hunde finden auch im Schlaf keine Erholung mehr und sind immer komplett erschöpft.

  • Hautprobleme, Entzündungen der Analdrüse, Ohren, Augen. Stress wirkt sich auf das Immunsystem aus und der Körper wird anfälliger für Infektionen.

  • Zwanghaftes Verhalten. Anhaltendes Bellen, Winseln, Graben, den eigenen Schwanz jagen kann auf eine hohe Stressbelastung hinweisen.

  • Leichte Erregbarkeit, nicht zur Ruhe kommen. Dein Hund schreckt bei jedem Geräusch hoch, kann sich nicht entspannen und ist jederzeit bereit, auf die Umwelt zu reagieren. Das ganze System ist aktiviert.

  • Steifheit. Unter Stress verspannt sich die Muskulatur des Hundes. Der Gang, die Bewegung der Rute, alles wird steif und stacksig.

  • Zittern. Bei grossem Stress beginnen viele Hunde zu zittern. Dein Hund kann auch zittern, weil ihm sehr kalt ist.

  • Übersprungshandlungen. Wenn du von einem gestressten Hund etwas verlangst, reagiert er mit einem ganz anderen, allenfalls völlig unpassenden Verhalten. Dein Hund hat in dem Moment keine Möglichkeit mehr, sich zu konzentrieren und klar zu denken.

  • Die ganze Palette der Beschwichtigungssignale. Die Calming Signals sind Teil des aktiven Sozialverhaltens, um eine angespannte Situation zu entschärfen. Hunde können Beschwichtigungssignale auch in Stress-Situationen einsetzen, um eine Entspannung der Situation zu erzielen.

Was bei Hunden Stress auslösen kann

  • Stress ist nicht per se schlecht.

  • Stress ist eine natürliche Reaktion auf einen Reiz, eine Herausforderung oder eine Belastung.

  • Ohne Stress wären wir alle längst vom Tiger gefressen worden und immer alles zu vermeiden, was irgendwie Stress auslösen könnte, macht die Welt langweilig, klein und eng.

  • Auch Unterforderung, Langeweile und nicht oder falsch befriedigte Bedürfnisse lösen Stress aus.

Genau wie bei uns lässt ein stressiges Ereignis, ein grosser Schreck, eine ängstigende Situation auch beim Hund das Adrenalin in die Höhe schnellen und sorgt dafür, dass er rasch reagieren kann. Bei Hunden erreicht das Adrenalin nach ungefähr 10 bis 15 Minuten seinen Höhepunkt und flacht dann rasch wieder ab. Das heisst für dich, dass dein Hund 15 Minuten nach einer stressigen Hundebegegnung beispielsweise immer noch voller Adrenalin steckt und unter Umständen heftig auf einen weiteren Reiz reagiert. Cortisol, die langsame hormonelle Antwort auf Stress, steigt beim Hund nach ungefähr 3 Minuten an und baut sich dann langsam ab. Bei einem Hund, der an chronischem Stress leidet, ermüdet das System und der Körper kann nicht mehr genügend Cortisol zu verfügung stellen und dadurch keine oder weniger adäquate Reaktionen auf Stress bereitsstellen.

  • Stress kann durch Schmerzen und Krankheit ausgelöst werden. Aber auch

  • durch das Gefühl der Überforderung

  • durch einen unberechenbaren Alltag

  • durch unbefriedigte Bedürfnisse

  • durch zuwenig Schlaf, Rückzug, Ruhe

  • durch zuviele, zuwenige oder ungünstige Sozialkontakte

  • durch Druck, aversives Training

  • durch fehlende Selbstwirksamkeit wird dein Hund gestresst.

Es geht nicht darum, das Leben lang sämtliche Herausforderungen zu meiden, sondern zu lernen, damit klarzukommen.

Und hier kommst du als Mensch ins Spiel. Gib deinem Hund die Werkzeuge mit, die er im Alltag braucht. Setze ihn nicht immer wieder Situationen aus, die ihn überfordern, frustrieren, ängstigen.

Sprich: Übe und trainiere mit ihm langsam und schrittweise, damit er nach und nach immer mehr Situationen kennt und selber lösen kann. Das sorgt für starke, selbstbewusste und damit letztendlich auch sichere Hunde! Das kann übrigens Wochen, Monate oder Jahre dauern. Hunde lernen ihr Leben lang und immer.

Es braucht dein Wissen, deine Empathie und dein Auge darauf, was du laufen lassen kannst und was du verändern musst, damit dein Hund mit dem Leben gut klar kommt.

Anders als zb Dienst- oder Rettungshunde werden unsere Familienhunde nicht von Profis minutiös und jahrelang auf ihr Einsätze vorbereitet. Familienhunde rasseln immer mal wieder in Situationen hinein, für die sie weder vorbereitet noch trainiert wurden.

Ein Ausflug an den Strand inmitten rennender Kinder? Wild neben dem Schlitten herrennen? Stundenlang ruhig im engen Restaurant liegen? Freunde mit Hund auf Besuch haben? Hast du dies alles geübt und deinem Hund genau gesagt, was er jetzt tun soll? Tut er dies gerne und freudig, bleibt er entspannt? Nein? Dann:

Raus aus dem Stress

Du siehst, dass dein Hund Stress hat und sich nicht mehr selber helfen kann - oder zumindest nicht auf eine Art und Weise, die für alle vertretbar ist.

  • Soziale Unterstützung geben: Dem Hund beistehen ist immer das Mittel der Wahl. Das setzt voraus, dass du selber ruhig bist und dein Hund dir vertraut. Erlebt er dich sonst als unberechenbar, dann wird das nichts mit der sozialen Unterstützung. Oder lässt du dich von jemanden trösten, der dich kurz vorher angeschrien hat oder der dich immer wieder ängstigt und demütigt hat? Wohl eher nein.

  • Management anwenden: Sichere deinen Hund. Steh für euch beide ein, auch wenn dein Umfeld findet, dass dies jetzt schon etwas mühsam sei

  • Situation auflösen: raus aus der “Gefahrenzone”

  • Runterfahren, aber sofort! Nach jedem für den Hund stressigen Ereignis (Beissvorfall, Tierarztbesuch, Schmerzen, Kontakt mit Elektrozaun, Kindergeburtstag, Gewalt durch Menschen, aversives Training, viel Besuch, Angst etc.) braucht dein Hund ein paar Tage (!) Ruhe mit viel Schlaf, Schlecken und Kauen, gutes Essen, viel Kontaktliegen, ruhige Spaziergänge.

  • Situation für das nächste Mal besser planen: Was müsst ihr noch üben, welche Hilfsmittel wie Leine, Maulkorb, Trenngitter, Sichtschutz müssen ab jetzt genutzt werden? Welche Situationen sind für deinen Hund nicht gut? Wo brauchst du Hilfe?

  • Wenn….dann…Plan notieren: Lege für dich und deine Familie einen Verhaltensablauf für gewisse Situationen fest. Dieses geniale Tool heisst “Wenn…dann…Plan”.

    Das kann z.B. so aussehen: Das Problem ist, dass dein Hund die Kinder über den Haufen rennt, wenn sie von der Schule kommen. Alle regen sich furchtbar auf und werden sauer auf den Hund, weil er ihnen in der Aufregung weh tut. Das könnte sich dann so lesen: “Wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen, dann bekommt Fido auf seinem Platz immer einen Kong zum Ausschlecken, bis sich die Situation beruhigt hat. Erst wenn alle im Hause angekommen sind, begrüssen sie einander”. Dieser Zettel hängt am Kühlschrank und ist für alle verbindlich. Eine ganze Serie Kongs wird vorbereitet und im Gefrierfach bereitgelegt, so dass täglich einer zum Einsatz kommen kann. Gleichzeitig schaust du mit einer Trainerin, wie du deinem Hund eine ruhige Begrüssung lernen kannst.
    Oder aber so:
    “Wenn Kind Jessica auf Besuch kommt, dann nutzen wir immer das Kindergitter.” Jessica hat nämlich Angst. Sie kann sich in Zukunft darauf verlassen, dass der Hund nicht im selben Raum sein wird wie sie. Alle sind entspannt.
    ”Wenn Bella Anzeichen von Stress zeigt am Strand, dann geht Vater Philippe mit ihr nach Hause.” Sobald Bella im Sand zu graben beginnt, mit wildem Blick ihrer Rute hinterherjagt, steht Vater Philippe ohne grosses Gejammer auf und geht mit Bella nach Hause.
    Wenn-Dann-Pläne sind verbindlich und sie sind genial.

  • Wissen aneignen, denn Verstehen verändert alles. Lerne deinen Hund kennen, lerne seine Sprache, interessiere dich für sein Wesen, bilde dich weiter.

Familienhunde sind eine riesige Bereicherung und ein Geschenk für Familien. Sie sollen geschätzt, verstanden, gesehen und gehört werden. Und sie verdienen es, für ihre Aufgaben sorgfältig trainiert und begleitet zu werden.

Literatur: Das Aggressionsverhalten des Hundes, James O’Heare; Sprich Hund, Christiane Jacobs; Mensch, Hund!, Vera Bürgi; Gelassenheit im Hundetraining, Anja Petrick; Verhaltensbiologie für Hundetrainer, Ganslosser und Kitchenham; Narben auf der Seele, Iris Aicher.

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Raumverwaltung im Hundetraining: Alte Dominanztheorie neu verpackt