Wenn Hunde beinahe aus dem Pelz hüpfen
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Was tun diese beiden da?
Wollen Hunde immer spielen, wenn sie voreinander rumhüpfen? Bedeutet Knurren Gefahr und Schwanzwedeln Freude? Hinten wedelts und vorne knurrts, das soll mal einer verstehen..
Je besser du deinen Hund lesen kannst und je mehr er mit dir spricht, desto einfacher wird euer Zusammenleben. Für dich wird’s verständlicher und für deinen Hund wird’s schöner, weil er gesehen und gehört wird. Es ist wahrlich keine Hexerei, man kann das üben: Augen auf, Schauen, Zuhören, Aufschreiben, Filmen, auch andere Hunde und Menschen beobachten.
Fiddle about - aus der Reihe der 4 Fs: Flight, Fight, Freeze
Der Unterschied zwischen Aufregung, Überforderung und Freude ist nicht immer leicht zu erkennen und manchmal hat es auch von allem etwas mit dabei.
Fiddeln in Hundebegegungen
Fiddle about, wohl am besten übersetzt mit "Herumalbern”, ist eine sogenannte Konfliktlösungsstrategie oder auch ein Beschwichtigungsverhalten. Ob es das eine oder das andere ist, spielt für dich vielleicht gar nicht so eine grosse Rolle, solange du anerkennst, dass deinem Hund nicht ganz wohl ist in der Situation. Denn gerade in Hundebegegnungen wird Fiddeln oft falsch gelesen und als Spielaufforderung interpretiert. Das dürfte für deinen Hund es bitzeli frustrierend sein auf die Dauer.
Achte wie immer auf den gesamten Kontext:
Begegnet ihr einem fremden Hund?
Wie sieht dein Hund aus? Rute, Ohren, Fell? Körperspannung? Blick?
Hat er kurz vor der Begegnung “die Flunder gemacht”, sich also platt auf den Boden gelegt?
Hat er versucht, wegzugehen?
Hat er den anderen Hund fixiert?
Hat er lange und intensiv am Boden geschnüffelt?
Trifft eine oder alle dieser Beschreibungen auf deinen Hund in dieser Situation zu, ist es eher weniger wahrscheinlich, dass er eine echte Spielaufforderung machen wird. Dazu fehlen einfach ein paar wichtige Voraussetzungen - mehr dazu weiter unten. Es dürfte also vielmehr so sein, dass er versucht, die Situation freundlich aufzulösen. Sich aus der Begegnung herauszuzappeln. Menschen machen das übrigens manchmal auch in sozial angespannten Situationen: schampar lustig werden, laut und leicht hysterisch lachen und irgendwie von allem etwas zuviel zu zeigen. Sind wir in diesen Moment souverän und sicher? Nicht so wirklich, oder? So geht es auch deinem Hund, vermutlich.
Achte auf die Bewegungen:
Gerade die sogenannte Vorderkörpertiefstellung, die in diesen Situation gezeigt wird, wird gerne als Spielaufforderung gedeutet und mit dem echten Play Bow verwechselt. Beim Fiddeln sind die Vorderbeine zwar auch abgeknickt, jedoch relativ gerade vor dem Körper und die Verbeugung geht weniger tief. Das sieht bei einer echten Spielaufforderung anders aus
Die Bewegungen sind allgemein eckig, die Rute ist steif, Körper und Gesicht angespannt
Die Sprünge gehen weg vom anderen Hund
Die “Aufforderung” kommt nur einmal
Ordne diese Anzeichen in den Kontext oben ein - welches Gesamtbild erhälst du? Wäre eine echte Spielaufforderung überhaupt angemessen gewesen?
Fiddeln ist nicht die schlechteste Strategie, die viele unerfahrene oder unsichere Hunde anwenden, um eine angespannte oder unsichere Situation zu entschärfen. Und das darfst du deinem Hund gerne auch so mitteilen. Hast du die Emotion hinter dem Verhalten erkannt und eingeordnet, kannst du dir ein gutes Training überlegen. Falsch oder nicht verstandene Hunde sind potentiell frustrierte Hunde. Und frustrierte Hunde entwickeln früher oder später fast immer eine Auffälligkeit im Verhalten. Es fühlt sich halt einfach schlecht an, wenn man nicht verstanden und gesehen wird.
Woran erkennst du eine echte Spielaufforderung?
Achte auch hier auf den Kontext:
Spiel setzt Vertrauen und Sicherheit voraus
Beide Parteien können das Spiel jederzeit beenden oder unterbrechen
Eine Spielaufforderung ist weich, rund, geschmeidig
Dein Hund zeigt ein albernes Spielgesicht
Der sogenannte Play Bow, also diese Vorderkörpertiefstellung, wird mehrmals wiederholt
Die Vorderbeine sind dabei breit abgewinkelt und der Vorderkörper ist richtig tief abgesenkt
Die Rückenlinie ist kurvig
Der Blick geht nicht direkt zum anderen Hund
Oft verbleiben die Hunde eine paar Sekunden in dieser Position, bevor sie losrennen, am Boden weiterspielen oder ein Pause einlegen
Kimba zeigt hier einen echten Play Bow. Und Rala schmeisst sich schon mal hin.
Okay, okay, ich seh’s, mein Hund fiddelt und zwar nicht nur in Begegnungen mit Hunden. Was jetzt?
Wenn du siehst, dass dein Hund bei Begegnungen mit Menschen (oder nur mit bestimmten Menschen) oder Hunden ins Fiddeln kommt, dann braucht er in diesen Momenten Begleitung und Unterstützung von dir. Ein “Sitz” oder “Platz” kann dir vielleicht mal kurzfristig helfen, du änderst jedoch rein gar nichts an der zugrundeliegenden Emotion und an der Überforderung mit der Situation.
Hilf deinem Hund freundlich aus der Situation heraus, indem du zb mit ruhiger Stimme “komm, wir gehen weiter” sagst. Oder “komm, du kannst hier zu mir kommen”.
Gib ihm Zeit und hilf ihm, sich wieder zu regulieren
Vielleicht kannst du das nächste Mal bereits vor der direkten Begegnung einen kleinen Bogen laufen oder den Menschen nicht so nah kommen lassen
Tempo rausnehmen und Zeit geben geht immer!
Sozialkompetenz will gelernt und geübt sein: schaffe viele gute Situationen, in denen dein Hund lernen kann. Von anderen Hunden, von freundlichen Menschen. Hunde schauen sich Begegnungen und Sozialverhalten auch ab. Vielleicht musst du dazu bewusst geeignete Orte ausserhalb deiner gewohnten Runde aussuchen.
Wenn dein Hund in der Ineraktion mit dir häufig Fiddeln zeigt
Du willst deinen Hund bürsten und er beginnt wie wild auf der Bürste herumzukauen, zu zappeln, zu klemmen, zu beissen…. mmmh, will der wirklich spielen? Oder ist es nicht vielmehr eine freundliche Bitte um mehr Sorgfalt und Distanz?
Probiere mal aus, dann wirst du es erkennen:Du nimmst sofort Tempo weg, sobald dein Hund unruhig wird. Du setzt dich ganz ruhig auf den Boden und hälst die Bürste einfach in der Hand. Lass deinen Hund schauen, daran schnuppern. Warte solange, bis er ruhig ist. Dein Hund darf jederzeit weggehen, wenn er das möchte. Und jetzt bewegst du die Bürste mal in Richtung deines Hundes. Bleibt er ruhig? Super. Wird er bereits unruhig? Dann warst du zu nahe und zu schnell. Geh also sofort wieder zurück in der Intensität, werde noch langsamer und ruhiger. Mach Pause. Versuche es später wieder. Wenn du mit dem Markertraining vertraut bist, kannst du damit arbeiten.
Zappelt dein Hund beim Anleinen herum? Siehe oben.
Zappelt dein Hund beim Abtrocknen? Siehe oben.